Allgemein17.12.2007 16:37h

kommen auch dieses Jahr in der Nachweihnachtzeit die unglaublichen Antitainment zum wiederholten male ins subversiv. Wer in den letzten Jahren es versäumt hat sich diese Stimmungskanonen anzuschauen der ist am 29 genau richtisch!

Allgemein11.12.2007 12:21h


If you like pranks on corporations and George W. Bush makes you puke, you‘ll love the the Lost Film Fest.

the LOST FILM FEST mad-cinema-science-laboratory is a traveling live multimedia show hosted and narrated by Scott Beibin (Evil Twin Booking, Bloodlink Records).

LOST FILM FEST has been traveling the globe since 1999 featuring the NEWEST short video clips and banned hard-to-find footage from around the world. It’s a laugh-a-riot! (with equal emphasis on both „laugh“ and „riot“). Some people say it’s like the film equivalent of an underground dance party with all the chaos and energy. It’s probably the only film fest with an FBI file.

LOST FILM FEST: Revolt(ing!). destruction and creation. do it yourself. mirth and mischief. pirate radio, tv, and knitting! Action and adventure documentaries for the politically conscious. alternative and truthful versions of current events, fair use and the creative commons celebrated, hit and run cultural consciousness. thinking inside-out with your crap detector turned up to 11. robots! vegans! GLBTosity!, The spark. The fire, the smoke. desire…embrace the chaos! Its an adventure you‘ll never forget.

You‘re sure to see a new show each time featuring pranks vs. corporations, pie fights with cops, culture jamming.and more from folks like The Yes Men, Guerrilla News Network, and The TV Sheriff. Loads of new and original stuff you can‘t yet find on YOUTUBE and especailly tv.

This jam is about smashing the illusions cast by Hollywood, the Pentagon, and FOX News. Yeah!

Allgemein16.11.2007 11:07h

Pressemitteilung zum Prozessauftakt PDF Drucken E-Mail
Pressemitteilung der Solidaritätsgruppe für Matthias Z. zum Prozessauftakt

Prozessauftakt gegen den Berliner Antifaschisten Matthias Z.

Am heutigen Tag begann vor dem Amtsgericht Berlin der Prozess gegen den
Berliner Antifaschisten Matthias Z. wegen gefährlicher Körperverletzung.
Die Verhandlung war kurzfristig in den Sicherheitsbereich des Gerichts
verlegt worden, so dass zahlreiche BeobachterInnen keinen Platz mehr
fanden. Die 20 zugelassenen ProzessbeobachterInnen mussten schikanöse
Kontrollen über sich ergehen lassen; so mussten sie z.B. ihre Schuhe
ausziehen und untersuchen lassen und hatten im Gerichtsgebäude keine
Toilette zur Verfügung.

Die Bundestagsabgeordnete der Linkspartei Sevim Dagdelen äußerte sich empört: „Durch die Verlegung in einen kleinen Saal, der nur 20 Zuschauern Platz bietet, wird ein Großteil der interessierten und kritischen Öffentlichkeit vom Prozess ausgeschlossen. Es ist unmöglich, dass selbst ich als MdB nicht mal einen Stift ins Gebäude mitnehmen durfte. Ich werde diese schikanösen Maßnahmen prüfen lassen.“

Die Verteidigung von Matthias Z. beanstandete, dass ihnen mehrere verfahrensrelevante Beiakten bislang nicht zugingen, obwohl sie diese bereits im Dezember 2006 beantragt hatten. Diese sollen Auskunft geben über das ambivalente Verhältnis der Nebenkläger und Hauptbelastungszeugen Stefanie P. und Sebastian Z. zur Wahrheit bei Aussagen vor Gericht in früheren Prozessen. Auch eine mögliche Belastungstendenz von Sebastian Z. gegenüber Matthias Z. muss anhand der bislang fehlenden Akten genauer untersucht werden, da Matthias Z. in einem anderen Verfahren wegen eines Neonaziüberfalls auf einen linken Infostand als relevanter Belastungszeuge gegen Sebastian Z. ausgesagt hatte. Auch wurde der Umstand bekannt gemacht, dass der frühere Anführer der verbotenen Kameradschaft Tor, Björn W., bereits vor dem hier verhandelten Fall versuchte, Matthias Z. anhand des gleichen Fotos anzuzeigen, das auch Stefanie P. und Sebastian Z. dem LKA vorlegten. Der heutige Prozesstag ergab, dass dieses Foto aus ihrer Anti-Antifa-Kartei nach wie vor der einzige „Beweis“ ist, den Staatsanwaltschaft und Nebenklage vorweisen können. Auch heute waren Neonazis in Moabit anwesend und schossen Fotos von Prozessbesuchern. Das Gericht folgte dem Antrag der Verteidigung, die für heute geplante Vernehmung der Neonazis aufgrund der fehlenden Beiakten auf Donnerstag, den 22.11. zu verschieben. Ein als Zeuge geladener Polizeibeamter schilderte, dass die verletzten Neonazis bereits im Flur des Krankenhauses gemeinsam mit herbeitelefonierten Neonaziaktivisten über mögliche Täter spekulierten, ihm gegenüber aber ihre Vermutungen nicht äußern wollten und den Anschein machten, dass sie eigenmächtig Racheaktionen planen würden.

Die Sprecher der Solidaritätsgruppe Freiheit für Matti, Stefan Jakob und Marina Kochova, erklärten: „Matthias Z. hat in einer persönlichen Erklärung noch einmal klargestellt, dass er mit der verhandelten Tat nichts zu tun hat. Aufgrund der dürftigen Beweislage und der zweifelhaften Glaubwürdigkeit der Nebenkläger fordern wir Freispruch für Matti. Alles andere wäre ein Justizskandal.“ Auch der Prozessbeobachter Benedikt Lux, Abgeordneter der Grünen im Berliner Abgeordnetenhaus, betonte: „Es ist weiterhin alles zweifelhaft. Ich konnte im Gericht keinen Grund erkennen, warum Matthias Z. der Täter gewesen sein soll.“

Der Prozess wird am Donnerstag, den 22.11. fortgesetzt.
Dann werden auch die beiden Neonazis aussagen.

Solidaritätsgruppe Freiheit für Matti;
Berlin den 15. November 2007

Pressestimmen:
15.11.2007 / Abendschau (rbb)
Wer ist Opfer und wer Täter? Vor Gericht sollte das eigentlich klar sein. Oder etwa nicht? Der junge Mann, der seit Donnerstag wegen gefährlicher Körperverletzung auf der Anklagebank sitzt, beteuert seine Unschuld. Trotzdem hatte er schon 100 Tage in U-Haft gesessen, weil ein Paar ihn schwer belastet hat. Doch wie glaubwürdig sind die Aussagen der Beteiligten und wie groß ist die Beweiskraft in diesem Verfahren? Viele Fragen und ein ungewöhnlicher Blickfang zum Auftakt des Prozesses

Beitrag von Norbert Siegmund

Der 22-jährige Matthias Z. ist Gewerkschafter, Nazigegner und angeklagt, obwohl Indizienbeweise fehlen. Die DNA-Spuren am Tatort stammen nicht von ihm. Allein die Aussage der Opfer belastet ihn, zwei Neonazis, die er überfallen haben soll.

Ein Fall, der für Aufsehen sorgte. Am Tatort Bahnhof Weitlingkietz, bekämpfen sich Rechtsextremisten und Nazigegner zunehmend gewalttätig. Ende November 2006 werden hier zwei stadtbekannte Neonazis angegriffen und mit einer Stahlrute geschlagen, so Sebastian Z., selbst ein gefürchteter Schläger – und einschlägig vorbestraft.

Ebenso das andere Opfer, ebenfalls als Schlägerin bekannt und einschlägig vorbestraft: Stefanie P.,
ehemalige Funktionärin der NPD-Jugend in Pankow und zeitweilig aktiv im Umfeld der verbotenen Nazi-Kameradschaft Thor. Am Tag nach dem Überfall wollen die Rechtsaktivisten plötzlich einen der Vermummten erkannt haben und geben der Polizei ein Foto.

Das Foto vom Angeklagten – aus der Hand von Neonazis ist eine höchst fragwürdige Quelle. Systematisch sammeln sie Bilder und Informationen über politische Gegner. Doch die Staatsanwaltschaft hat wenige Berührungsängste.

Grüne und Linke im Abgeordnetenhaus sprechen von einem Justizskandal. Der Nazi-Gegner, zunächst sogar des versuchten Todschlags verdächtigt, sitzt im letzten Winter über drei Monate in Untersuchungshaft – bis schließlich das Landgericht den Vorwurf abmildert auf gefährliche Körperverletzung. Seit Donnerstag ist das Amtsgericht am Zuge. Bereits nächste Woche wird es die Opfer vernehmen und deren Glaubwürdigkeit prüfen.
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16.11.2007 / Tagesspiegel
Polizeipanne nach Überfall auf Nazi-Paar. Prozess gegen Linken hat begonne

Von Frank Jansen

Das Geschehen am Tatabend bleibt mysteriös, auch wegen des seltsamen Verhaltens eines Polizisten. Er habe mit drei Augenzeugen des gewaltsamen Angriffs auf ein Paar aus der rechten Szene gesprochen, dazu aber keinen gesonderten Vermerk geschrieben, sagte gestern ein Beamter zum Prozessbeginn gegen den Linken Matthias Z. im Amtsgericht Tiergarten.

Der 22-jährige Z. ist angeklagt, Ende November 2006 in Lichtenberg gemeinsam mit zwei Freunden die Neonazis Sebastian Z. und Stefanie P. geschlagen und getreten zu haben. Vor Gericht konnte sich der Polizist auch nicht mehr an die Angaben der drei Augenzeugen erinnern. Das Verhalten des Beamten am Tatabend scheint ein Grund für die schwierige Beweislage in dem Fall zu sein. Nach Informationen des Tagesspiegels konnten die Zeugen bei der späteren Befragung durch die Polizei keine Angaben machen, die Matthias Z. oder andere Personen überführt hätten. Kurz nach der Tat wäre die Erinnerung frischer gewesen.

Der Fall gilt bei den Sicherheitsbehörden auch als problematisch, weil die linke Szene eine breite Solidaritätskampagne für „Matti“ veranstaltet, an der sich Politiker der Partei Die Linke, der Grünen und Vertreter der Gewerkschaft Verdi beteiligen. Die für gestern befürchteten Zusammenstöße zwischen jungen Linken und Neonazis blieben jedoch aus. Eine größere Gruppe der Antifa-Szene kam zum Gericht, verhielt sich aber ruhig. Rechtsextremisten hätten sich nicht blicken lassen, sagte die Polizei.

Matthias Z., der 101 Tage in Untersuchungshaft gesessen hat, bestritt vor Gericht jede Beteiligung an der Gewalttat. Er gab allerdings einen Verstoß gegen das Waffengesetz zu. In seinem Briefkasten hatte die Polizei eine zusammengezogene Teleskop-Stahlrute gefunden. Die dafür zu erwartende Strafe ist nach Ansicht der Verteidiger von Z. mit der Untersuchungshaft längst abgegolten.

Die Anwälte versuchen zudem, die Glaubwürdigkeit der überfallenen Neonazis Sebastian Z. und Stefanie P. zu erschüttern. Das Paar hat bei der Polizei ausgesagt, die Täter seien vermummt gewesen, doch man habe später anhand eines Fotos Matthias Z. wiedererkannt. Die Staatsanwaltschaft stützt ihre Anklage vor allem auf diese Aussage, was die Unterstützer von „Matti“ empört. Dessen Verteidiger verwiesen gestern auf einen früheren Fall, bei dem ein Anführer der Berliner Neonazi-Szene mit demselben Foto versucht haben soll, Matthias Z. einer Straftat zu bezichtigen.

Das für gestern geladene rechte Paar wird erst in einer Woche gehört. Die Verteidiger von Z. hatten den Aufschub angeregt, um weitere Akten beantragen und lesen zu können.
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16.11.2007 / Berliner Zeitung
22-Jähriger steht wegen Überfalls vor Gericht

Von Andreas Kopietz

War Matthias Z. aus Treptow an einem Überfall auf Neonazis beteiligt? Für die Staatsanwaltschaft ist klar: Der 21-Jährige war dabei, als am Abend des 29. November 2006 am Bahnhof Lichtenberg drei Vermummte die gleichaltrigen bekannten Neonazis Stefanie P. und Sebastian Z. niederschlugen. Gestern begann vor dem Amtsgericht Tiergarten der Prozess. Der Vorwurf lautet gefährliche Körperverletzung. Dem Schüler drohen sechs Monate bis acht Jahre Haft.

Ein gewöhnlicher Fall ist dies längst nicht mehr. Der Vorsitzende Richter sieht sich mit einer beispiellosen Soli-Kampagne für „Matti“, wie der Angeklagte von seinen Unterstützern genannt wird, konfrontiert: Antifa, Linkspartei, Grüne und Vertreter von Verdi argwöhnen „Gesinnungsjustiz“ und schicken Prozessbeobachter, unter anderem eine Europa- und zwei Bundestagsabgeordnete. Auch Mitglieder des Arbeitskreises kritischer Juristinnen hören im Gerichtssaal genau zu. Rund 17 000 Euro kamen bundesweit an Spenden zusammen, so dass man sich für Matthias Z. gleich drei Anwälte leisten kann.

Tatsächlich hat die Staatsanwaltschaft offenbar nicht viel in der Hand: Belastende Fingerabdrücke oder DNA fand sie nicht, die wochenlange Telefonüberwachung blieb ohne Ergebnis, Zeugenaussagen Dritter sind dürftig. Die Polizei war am Tatort, nachdem die Feuerwehr die Verletzten abtransportiert hatte. Zwar gibt es einige Zeugen. „Aber was die gesagt haben, weiß ich nicht mehr“, sagte ein Polizist gestern vor Gericht. Vermerke habe er keine gemacht, räumte er ein. Einsätze wie diesen gebe es am Bahnhof Lichtenberg ein- bis zwei Mal pro Tag. Eine Befragung der Verletzten habe auch nichts erbracht. „Mein Eindruck war, dass man den Täter kannte und das selber regeln wollte“, so der Polizist.

Die Staatsanwaltschaft hat nur die Aussagen der angegriffenen Neonazis. Die reichten aus für einen Haftbefehl wegen versuchten Totschlags und 101 Tage Untersuchungshaft. Inzwischen stufte ein Richter den Vorwurf auf gefährliche Körperverletzung herunter und ließ den Beschuldigten frei.

Matthias Z. ist gut 1,90 Meter groß, hat auffällige, schmale Augen und trägt eine viereckige Brille. Er macht bei der Verdi-Medienjugend mit und fehlt bei keiner Antifa-Demo. Den Neonazis ist er bekannt. Ihn wollen die Angegriffenen bei dem Überfall am 29. November erkannt haben, obwohl er mit einem Basecap und einem Tuch vermummt gewesen sein soll. Nach der Tat gaben sie der Polizei ein Foto des angeblichen Täters. Sie hatten es aus ihrem Archiv gezogen, wo sie Bilder ihrer Gegner sammeln. Deshalb treibt Prozessbeobachter und Politiker eine Sorge um: Wird „Matti“ verurteilt, dann werden Neonazis derartige Vorwürfe nutzen, um auch andere Linke in Haft zu bringen. „Das wäre eine Einladung an alle Neonazis, mit ihren Fotoalben zur Polizei zu gehen und auf diese Weise politische Gegner aus dem Verkehr zu ziehen“, sagt etwa der Berliner Abgeordnete Benedikt Lux.

Pikant ist auch, dass Matthias Z. selbst als Belastungszeuge auftrat in einem Prozess, der zur Tatzeit gegen einen der Neonazis lief, weil dieser zuvor einen PDS-Infostand angegriffen hatte. Sebastian Z. wurde dafür inzwischen wegen Körperverletzung und Landfriedensbruchs zu Arbeitsstunden verurteilt. Dieser hätte also Interesse an einer Retourkutsche, vermuten die Anwälte von Matthias Z.

Im Prozess geht es nun vor allem darum, ob das Gericht den Hauptzeugen Stefanie P. und Sebastian Z., die zugleich Nebenkläger sind, glaubt. Die Kategorien „rechts“ oder „links“ spielen juristisch keine Rolle, weshalb sich „Mattis“ Anwälte keineswegs sicher sind, dass sie einen Freispruch erwirken. In anderen Prozessen führte schon eine einzige Zeugenaussage zur Verurteilung. Und so besteht die Strategie der Verteidiger darin, die Glaubwürdigkeit der beiden Neonazis infrage zu stellen. Stefanie P. und Sebastian Z. hätten schon in anderen Prozessen gelogen, so die Verteidiger. Eigentlich wollten sie dies gestern anhand von Akten aus anderen Prozessen belegen. Doch obwohl sie diese schon vor elf Monaten bei der Staatsanwaltschaft angefordert haben, erhielten sie noch nichts. Das Gericht musste deshalb die Anhörung der beiden Zeugen verschieben. „Dass wir die Akten nicht bekommen, ist ein massiver Eingriff in das Recht auf Verteidigung“, sagt Anwalt Björn Gercke.

Bei allen Solidaritätsbekundungen bleibt unklar, wie friedfertig „Matti“ wirklich ist, auch wenn er bei Verdi als „ganz feiner Mensch“ bezeichnet wird. In seiner Wohnung fanden Polizisten einen laut Waffengesetz verbotenen Totschläger, wenngleich dieser nicht mit der Tat in Verbindung gebracht werden kann. Er habe die Stahlroute nur zum Selbstschutz gehabt, beteuerte Matthias Z. gestern. Der Prozess wird am 22. November fortgesetzt
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16.11.2007 / taz
Ein wegen Körperverletzung angeklagter Linker beteuert vor Gericht seine Unschuld. Seine Anwälte zweifeln an den Aussagen der zwei Neonazi-Kläger.

Von Johannes Radke

Vor dem Amtsgericht Tiergarten stehen sechs Polizeiwagen, der Flur vor dem Verhandlungssaal ist mit Absperrgittern eingezäunt, ein Dutzend Polizisten sichert die Eingänge. „Das ist eine reine Vorsichtsmaßnahme, damit im Gerichtsgebäude nicht das passiert, was heute verhandelt wird“, erklärt ein Gerichtsdiener. Er meint damit gewalttätige Auseinandersetzungen zwischen Neonazis und Linksradikalen. Dem Antifaschisten und Gewerkschafter Matthias Z. wird vorgeworfen, im November 2006 zwei bekannte Neonazis in Lichtenberg angegriffen zu haben. Der Prozess hat am Donnerstag begonnen.

Trotz Observation, Telefonüberwachung und DNA-Analyse ist der einzige Beweis gegen Matthias Z. die Aussage der beiden Geschädigten. Stefanie P. und Sebastian Z. wollen den 22-Jährigen trotz Vermummung unter den Angreifern erkannt haben. Mit einem selbst geschossenen Porträtfoto von Matthias Z. meldeten sie sich kurz nach der Tat bei der Polizei.

Im überfüllten Gerichtssaal äußerte sich Matthias Z. erstmals zum Verfahren. Er gab den Besitz eines verbotenen Teleskopschlagstocks zu, der bei der Durchsuchung seiner Wohnung gefunden wurde, beteuerte jedoch, mit der ihm vorgeworfenen Körperverletzung nichts zu tun zu haben. Die Waffe kommt als Tatwerkzeug ohnehin nicht infrage.

Anschließend verlasen seine drei Anwälte eine Erklärung, in der sie auf brisante Details der Ermittlungen hinwiesen. Demnach versuchte ein anderer Neonazi bereits zwei Wochen vor der Auseinandersetzung in Lichtenberg, Matthias Z. anhand des gleichen Fotos anzuzeigen, das auch die beiden verprügelten Rechtsextremisten der Polizei vorlegten. Als auffallend bezeichnete Z.s Anwalt, dass dies genau einen Tag nach der Akteneinsicht in ein laufendes Verfahren gegen seinen Mandanten geschah. In der Akte wird Matthias Z. als Hauptbelastungszeuge gegen den Rechten genannt. Auch Stefanie P. habe bereits vor Gericht eine offensichtliche Falschaussage gemacht und damit einem angeklagten Rechtsextremisten ein Alibi verschafft.

Es folgte die Befragung eines Streifenpolizisten, der die beiden Rechten direkt nach der Tat im Krankenhaus vernommen hat. Er schilderte, dass die Geschädigten zwar über mögliche Täter diskutierten, der Polizei dazu jedoch nichts sagen wollten. „Ich hatte das Gefühl, die wollten die Sache wohl selber klären“, so der Beamte.

„Anhaltspunkte für die Unglaubwürdigkeit der Aussagen der beiden Geschädigten drängen sich geradezu auf“, sagte Rechtsanwalt Daniel Wölky der taz. Antifagruppen gehen davon aus, dass es sich um eine gezielte Racheaktion der rechten Szene handeln könnte. „Diese Aussagen sind völlig zweifelhaft“, sagt auch Sevim Dagdelen, die für die Linke im Bundestag sitzt und beim Prozess anwesend war. Das Gericht müsse berücksichtigen, dass es Strategien von Neonazis gebe, Menschen, die sich gegen rechts engagieren, gezielt durch Anklagen einzuschüchtern und zu diffamieren, so Dagdelen.

Schon morgens hatten sich vor dem Gerichtsgebäude rund 50 Linke zu einer Kundgebung eingefunden. Auf Transparenten forderten sie „Freispruch für Matti“. Zu den von der Polizei befürchteten Begegnungen mit Rechtsextremen kam es jedoch nicht. Kurz vor Beginn der Verhandlung fuhr lediglich eine Gruppe bekannter Neonazis in einem Mietwagen am Gebäude vorbei, um die Demonstranten zu fotografieren. Die Polizei griff aber schnell ein und stoppte die Hobbyfotografen. Der Prozess wird am kommenden Donnerstag mit der Befragung der beiden Geschädigten fortgesetzt.
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16.11.2007 / junge Welt
Verteidigung sieht in Neonazis »unglaubwürdige« Belastungszeugen. »Schikanöse Kontrollen« beim Gericht kritisiert

Von Theo Schneider

Unter großen Sicherheitsvorkehrungen hat am Donnerstag vor dem Amtsgericht Berlin-Tiergarten der Prozeß gegen den Antifaschisten Matthias Z. begonnen. (siehe jW-Interview am Mittwoch). Ihm wirft die Staatsanwaltschaft vor, im November 2006 mit unbekannten Mittätern in einem U-Bahnhof zwei stadtbekannte Neonazis attackiert zu haben. Diese treten nun bei der Verhandlung als Nebenkläger und einzige Belastungszeugen gegen den 22jährigen auf. Z. wies alle Anschuldigungen zurück. Neben rund 40 Unterstützern waren als Prozeßbeobachter auch die Bundestagsabgeordnete der Linkspartei Sevim Dagdelen sowie Benedikt Lux, der für die Grünen im Berliner Abgeordnetenhaus sitzt, erschienen.

Der erste Verhandlungstag lief stockend an. Die Befragung der beiden Neonazis, Stefanie P. und Sebastian Z., wurde auf den kommenden Donnerstag verschoben, da den drei Verteidigern von Matthias Z. wesentliche Akten nicht zugestellt worden waren. Diese Akten stellen nach Meinung der Anwälte die Glaubwürdigkeit der Belastungszeugen massiv in Frage. Bei den Unterlagen soll es sich vorwiegend um Gerichtsprotokolle von Verfahren handeln, in denen mehrere Falschaussagen der Neonazizeugen dokumentiert sind. Die fehlenden Akten seien bereits im Dezember 2006 angefordert worden, monierten die Anwälte.

So kam während der Verhandlung am Donnerstag lediglich ein Polizeibeamter in den Zeugenstand, der aber kaum zur Aufklärung beitragen konnte. Er konnte sich lediglich erinnern, daß die Neonazis bereits im Krankenhaus darüber diskutierten, wer sie eigentlich angegriffen haben könnte. Dem Beamten gegenüber hätten sie sich mit ihren Vermutungen jedoch bedeckt gehalten. »Womöglich um Selbstjustiz zu üben,« wie Björn Gehrcke, einer der Verteidiger, vermutete und was der Beamte auch nicht dementierte.

Mehrere Prozeßbeobachter kritisierten im Gespräch mit junge Welt das rigide Vorgehen der Justizbeamten gegenüber Prozeßbesuchern und bezeichneten die Vorkontrollen im Gericht als »schikanös«. Sevim Dagdelen von der Linksfraktion im Bundestag fand es nicht hinnehmbar, daß der Prozeß kurzfristig in einen kleineren Saal verlegt worden war und somit »ein Großteil der interessierten und kritischen Öffentlichkeit« ausgeschlossen wurde.
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Allgemein03.11.2007 16:13h

subversiv
Brunnenstr 7
berlin

>
ab 20.00 Uhr gibts lecker vegane Vokü
und dann ab 21.30 gehts los mit dem Konzert.

inner conflict

Allgemein08.10.2007 13:41h

Uwe Barschels ableben den Ärzten und was Der g. jauch damit zutun hat:
barschel
interessant sind die letzten 8 min.
Skandal in der alabamahalle
der rest natürlich auch wenn man die ärzte mag!

Allgemein08.10.2007 13:17h

dachte ich mir als ich am Samstag die Goldies in der Maria sehen durfte. Denn so jung und agil kann man nur als Punk mit dauerferien bleiben, wenn man bedenkt das sie noch 10 jahre länger im geschäft sind als das Geburtstagskind Jungle-world die ja nun auch schon 10 geworden ist.
hier ein etwas älteres interview:

Aua, au. Eine neue Goldene Zitronen-Platte, auf der kluge Musik und Texte voller Hysterie ein Tänzchen mit einander wagen. Sie tanzen auf dem „Platz der leeren Versprechungen“, suchen die „Party, die gerade nicht ist“ und treffen dabei auf ihre Sidekicks Wut, Ohnmacht und Revolution. Zusammen ziehen sie durch saubere deutsche Städte in einem fauligen Staat. Wie die Bremer Stadtmusikanten. Sie finden einen, der mit der Luft schimpft. Eine, die ihnen ihren Sex ins Gesicht hält. Und drei Schwestern, die nur teilweise Rockstars sind.

Ihr greift auf „Schafott zum Fahrstuhl“ ein älteres Zitronenstück wieder auf: „Von den Schwierigkeiten, die Regierung stürzen zu wollen“, ursprünglich zu Zeiten vom „FuckYou“-Album um 1990 veröffentlicht. Warum ist jetzt die Zeit wieder reif dafür?
Schorsch: Weil es eigentlich immer die richtige Zeit ist, um die Regierung zu stürzen, oder? Und es war die ganze Strecke über richtig. Der Titel mit der „Schwierigkeit“ ist ja so etwas wie eine Interpretation, die besagt, dass man mit dieser Maximalforderung – also auch Köpfe kürzen und so – zur Zeit nicht weiterkommt. Man kann das gar nicht einhalten und so viele Köpfe kürzen; so ’ne Vorstellung ist vielleicht sogar ein bisschen kindlich, aber die Forderung selbst bleibt bestehen. Außerdem wollten wir das Stück noch mal anders aufnehmen, glamrockiger.
Wie kam der Titel „Schafott zum Fahrstuhl“ zustande? Was für ein Bild schwebte euch dabei vor? Als Wortspiel wirkt das wie eine umgedrehte und entleerte Damenhandtasche: es entrümpelt den Begriff und dreht ihn auf links.
Ted: Das ist schön, das werd ich mir merken. Genau so soll es sein.
Schorsch: Die Idee dazu hatte Ted, glaube ich. Nee, Mense.
Mense: Das Bild dazu… hm, das war eher ein Gag. Als wir mit den Sessions für die Platte anfingen, hatten wir ein sehr düsteres Stück, das sehr nach Miles Davis klang, nach „Fahrstuhl zum Schafott“, getragen mit Piano, richtig Jazz. Im Übungsraum haben wir es mit ironischem Unterton einfach „Fahrstuhl zum Schafott“ genannt und wollten den Titel eigentlich auch so beibehalten, aber dann…
Schorsch: Haben uns unsere Anwälte anders beraten, weil dieser Film und der Soundtrack ein etabliertes Label sind. Wir wollten einfach mal einen Titel, der nicht so festgelegt ist wie etwa „Das bisschen Totschlag“ oder „Deadschool Hamburg“ – die waren aus unserer Sicht nicht so gemeint, wie sie am Ende verstanden wurden. Also zum Beispiel als das Ende der Hamburger Schule – mit dem Begriff können wir eh nicht viel anfangen. Aber vielleicht waren wir auch ein bisschen naiv; denn so ein Name weist halt doch in eine Richtung.
Das Line Up der Zitronen verändert sich laufend; mindestens von Platte zu Platte. Im Nebenprojekt-Meteoritenhagel kreisen ständig andere im Orbit Schorsch Kamerun/Ted Gaier – und eine Auswahl der üblichen Verdächtigen taucht in immer neuen Konstellationen auf. Bei „Schafott zum Fahrstuhl“ sind es Enno Palluca und Stephan Rath, Thomas Wenzel (Die Sterne), Mense Reents (Stella, Egoexpress), Jens Rachut (Dackelblut), Peaches und die Schwestern Logan (Melissa L. ist sonst ein Chick On Speed), die beispringen. Elektroniker Hans Platzgumer nimmt zur Zeit die „Auslandsvertretung“ wahr – sprich: er ist auf Sabbatical. Ein Wechsel, der auch durch den Kollektivgedanken bedingt ist. Wie haben sich dadurch die Arbeitsbedingungen verändert?
Ted: Die Arbeitsbedingungen sind nach wie vor schlecht. Die Bezahlung ist miserabel. Die Nachtschichten werden nicht extra vergütet. Und die Reisen gehen mehr in so drittklassige Länder. Zum Beispiel nach Rumänien, da haben wir einen Teil der Platte aufgenommen, in Bukarest. Das war zwar nur so ein Gag, aber wir haben uns da ganz wohlgefühlt.
Warum ausgerechnet da?
Ted: Also, die Arbeitsbedingungen, wie schon gesagt.
Schorsch: Wir suchen schlechte Arbeitsbedingungen. Dabei haben wir im besten Studio von ganz Rumänien aufgenommen. Hat man uns jedenfalls gesagt.
Enno: Ursprünglich ging es aber auch um Geld, oder?
Ted: Nee, wir wussten von vornherein, dass es genau so teuer würde wie in Hamburg.
Enno: Wir wollten ein ganz traditionelles, akustisches, mit Neumann-Mikrophonen bestücktes Mittelklassestudio haben.
Schorsch: Und haben dann aber in Rumänien die totale Oberklasse abgegriffen. Wir wollten endlich mal ungestört im Studio sein, ohne dass uns was dazwischen kommt; in Hamburg funken oft unsere Nebenprojekte rein. Dazu waren verschiedene Orte im Gespräch, Norwegen, Chile, Tessin. Die haben wir uns aber nicht leisten können, während wir nach Rumänien freundschaftliche Beziehungen haben.
Als ihr die letzte Platte „Deadschool Hamburg“ über Cooking Vinyl rausgebracht habt, habt ihr euch davon auch einen besseren internationalen Vertrieb versprochen. Scheint aber nicht so toll geklappt zu haben. „Schafott zum Fahrstuhl“ erscheint nun bei Buback Tonträger (einer Gründung von Ted Gaier und dem ehemaligen Zitronen-Drummer Ale Sexfeind). Warum seid ihr weg vom Kochvinyl?
Schorsch: Da ging nicht viel. Wir hatten mit dem Label Cooking Vinyl Deutschland zu tun, die das auch angeschoben hatten. Das ist eine Abteilung von Public Propaganda, was so ziemlich der größte Promotionbetrieb in Deutschland ist. Und da gab es nur eine Figur, die sich ein bisschen mit uns befaßt hat. Wir waren die einzige Band auf Cooking Vinyl Deutschland und sind wohl in deren Alltag untergegangen. Aus England kamen ab und zu Meldungen, ihr habt in Australien so und so viel verkauft, oder in Tschechien, Hongkong. Das ist ja gut und schön, aber wir hatten uns eigentlich erhofft, dass wir dann auch mal mit Labelmates von Cooking Vinyl auf Tour gehen können, aber die Engländer haben sich da nicht weiter gekümmert.
Zum Beispiel David Thomas oder Frank Black – das wären feine Paarungen gewesen.
Schorsch: Oder XTC. Die haben schöne Sachen auf dem Label. Ansonsten gab es mit ihnen keine größeren Probleme, so vom Ablauf und Offiziellen her. Buback bot sich an, weil da die Leute sitzen, mit denen wir sowieso immer rumhängen. Zumal die es sich jetzt auch leisten können, mal eine Platte rauszubringen, die ökonomisch gesehen nicht so viel einbringt – dafür haben sie ja andere Leute, die Beginner zum Beispiel.
Im Vorstellen von Unsympathen, Kotzbrocken und faschistoiden Trinkhallenstehern in Jogginghosen sind die Goldenen Zitronen seit langem King. Dem Volk aufs Maul geschaut – da fällt so manches Essensbröckchen raus. Und Sprüche, die man ihren Klopfern wieder in die Fresse würgen möchte. Worin besteht der Reiz, in seinen Texten in eklige Rollen zu schlüpfen?
Ted: Weiß ich gar nicht – vielleicht ist das eine gute Möglichkeit, bestimmte Sachen deutlich zu machen. Das fing mit einem Stück wie „80 Millionen Hooligans“ an, wo es darum ging, eine politische Sache aufs Tableau zu bringen, ohne Parolen zu dreschen, und dazu bot sich eine Methode wie die von Degenhardt an, wo die stärksten Stücke genau auf diese Weise funktionieren. Aber das war eher intuitiv und hat sich so herausgebildet. Damit kann man mehr erreichen, als wenn man plakativ sagt, „die und die sind Schweine“.
Schorsch: Man hat es auch beim Singen leichter, wenn man in eine Rolle schlüpfen kann.
Ted: So entkommst du dieser Rockmühle, wo man so oder so singen und Rockstrukturen bedienen muss, die an der Melodie festgehakt sind. Dieses Stück „0:30 Uhr, gleiches Ambiente“ (auf „Economy Class“, 1996), das eine Art Hörspiel ist, ist theoretisch gesehen, vom Riff und vom Schlagzeug her, ein ganz konventionelles Rockding. Dass es in dem Sinne keinen Refrain oder Gesang gibt, erweitert die Sache. Aber vielleicht gibt es für diese Haltung auch psychoanalytische Gründe. Bestimmt.
Die gibt es ganz sicher. Und diese Texte schlagen auf Kerben ein, die eh schon völlig durch und wund sind. Da bemüht man sich, den ganzen Scheiß auf Armeslänge zu halten, und dann treibt einem die sperrige Momentaufnahmenlyrik der Zitronen die Zähne in die Tischplatte. Ich muss bei euren Texten immer schreien.
Schorsch: In welche Richtung, so „Ach du scheiße, ihr verdammten Schweine“?
Ted: Oder mehr so „Halt doch mal das Maul!?“
Nee, mir ist das oft zu nah; das sind Szenarien, wegen denen man eigentlich zur RAF stoßen möchte, es am Ende aber noch nicht mal mehr vor die Tür packt. „Müde im Käfig aufwachen“, wie es bei Razzia heißt.
Ted: Wir sind gar nicht so richtig Razzia-geschult.
Ja, ich weiß, dass ihr keine großen Razzia-Fans seid, aber die Poetik finde ich schon vergleichbar. Was jetzt als Kompliment gemeint ist, weil mir diese Band sauviel bedeutet! It hurts but it feels so good.
Ted: Eigentlich haben wir nie individuell psychologische Sachen, sondern nehmen eher einen soziologischen Blickwinkel ein. Es gibt ja durchaus Bands und Stücke, bei denen es fast intim wird und man involviert ist und leicht das Gefühl kriegt, das geht mir zu nah. Bei uns dreht es sich doch mehr um gesellschaftliche und tagespolitische Relevanz. Auf der anderen Seite stehen da wohl Blumfeld oder so.
Also Blumfeldtexte berühren mich jetzt nicht so.
Schorsch: Bist du nicht sensibel oder was?
Ich denke meist, ach Bub, das ist jetzt ja wirklich schlimm für dich, aber eigentlich klingt das alles arg nach…
Ted: Heulsuse.
Schorsch: Geht mir bei Blumfeldtexten tatsächlich auch manchmal so.
Das Cover ist in bewährter Collagenmanier mit wirren Bildern bestückt; absolute Renner in diesem Kaleidoskop sind „Killer Chicken“ und „Angst“-Bräu (oder was auch immer das ist). Erinnert an ein groteskes Plakat in Leipzig, das ich dort in schwarz-rot-gold für eine Imbissstube werben sah: „Bratwurst-und-mehr“. Die Texte sind ähnliche Irrsinns-Schnappschüsse. Haben Schorsch und Ted Notizblöcke in der Tasche, um so was festzuhalten?
Ted: Ganz verschieden. Bei dieser Platte stammen die Texte weitgehend von Schorsch und mir. Seit vier Platten haben wir mehr oder weniger einen Autor – das heißt, Musik und Texte eines Stücks macht ein und dieselbe Person. Und die Methode ist dann noch mal von Lied zu Lied verschieden. Bei „Flimmern“ zum Beispiel habe ich Zeitungsausschnitte gesammelt und die große Abrechnung am Schreibtisch gemacht. Bei „Die Axt“ ist mir der Text so zugefallen, und erst denkt man, daraus ist kein Stück zu machen, und dann klappt es aber doch. Oder wie ist das bei dir?
Schorsch: „Ich habe schon manchmal so Sätze – mir geht das oft so, dass ich über etwas stolpere, aus dem ich dann etwas mache. Auf der letzten Platte war das so bei „Einverstanden“ – da wusste ich, das stimmt einfach. Die Leute erkennen, wie beschissen es ihnen geht und was alles grausiges passiert, wählen es aber trotzdem, und sind – von außen betrachtet – auch noch einverstanden mit ihrer grausigen Situation. Sonst würden sie sich ja anders verhalten. Das konnte ich zu einer Art Oberbegriff verdichten. Sammeln ist halt eine andere Methode.
Ted: Dann gibt es auch Texte wie „L‘Avance du Millénaire“ auf der letzten oder „Fin du Millénaire“ auf der vorletzten Platte – diese Endlostexte, die der Versuch waren, die Welt und den ganzen Neoliberalismus, der am Ende des Jahrtausends herrschte, aus der Sicht der Zukunft zu erklären. Diese Texte wurden schnell viel zu sperrig und unfunktional. Wir mussten einfach im Stück irgendwann aufhören – der ganze Text ist zwar im Booklet abgedruckt, war aber nicht mehr auf die CD zu kriegen.
Den Kreis der ZuträgerInnen zieren diesmal auch die fulminante Peaches und Münchens best, Chicks on Speed –
Ted: Auf dieser CD sind das nicht die Chicks On Speed, sondern Melissa Logan von den Chicks und ihre echten Schwestern! Die haben andere Beruf als Rockstars. Eine ist Heilpraktikerin und Masseurin in Woodstock, die andere ist Stylistin in New York.
Ist aber auch irgendwie Rockumfeld. :-) Wie findet ihr, was Peaches sonst macht?
Ted: Ich finde das eigentlich super. Aber ich habe bemerkt, dass es stark auf den Kontext ankommt. Es kann ätzend wie bei ’ner Peepshow oder ein richtig starkes Genderstatement sein; kommt darauf an, auf welcher Bühne und vor welchen Leuten sie steht. Ich habe eine Show im Schauspielhaus in Hamburg bei einem Pudelabend gesehen – die Bühne war wie ein Laufsteg, also von beiden Seiten einsehbar, und es waren komische Typen da, die sich aufgegeilt und eine eklige Unruhe reingebracht haben. Später habe ich sie noch mal in Basel auf einer normalen Bühne erlebt, wo sie ihren kanadischen Schulkumpel Savvy dabei hatte, und da war es gleich etwas völlig anderes. Wenn zwei Frauen agieren, hat es leider automatisch was von Peepshow.
Mense: Also, ich habe sie zuvor in Göttingen gesehen, da war das total in Ordnung, weil sie von der Bühne herunter ganz offensiv agieren konnte. Es hängt vom Umfeld ab. Im Schauspielhaus war es wirklich scheiße.
Ted: Da werden Gender-Beziehungen theatral und stilisiert aufgeführt, auch gerade, wenn sie mit diesem Savvy auftritt. Zum Beispiel, wenn die so tun, als würden sie sich mit dem Mikro einen blasen.
Mense: Oder mit Gonzales, das war auch super.
Ted: Das hat etwas von Hyperrealismus im Film, sagen wir aus Frankreich oder auch bei den Dogma-Sachen, wo sämtliche Grenzen einer Konvention verschoben werden; man hantiert plötzlich mit einem Genre, das sonst nur in der Sexindustrie verwendet wird. Das ist dann wirklich Performancekunst. Kann aber auch nach hinten losgehen.
Auf „Schafott zum Fahrstuhl“ wirkt sie aber eher entschärft. Beziehungsweise verhalten, zurückgenommen, zynisch, leise.
Schorsch: Wieso?
Mense: Sie klingt einfach unheimlich jung.
Ted: Es ist nicht ihr Tempo, es ist nicht ihr Song, und es ist nicht ihre Tonlage.
Schorsch: Und es ist nicht ihr Text, denn der ist von mir.
Mense: Aber der passt schon zu ihr, der Text.
Der Pudelclub ist mittlerweile so was wie ein Synonym für den Hamburgklüngel. Jetzt auch exterritorial. Wie darf man sich das vorstellen, wenn der Pudelclub auf Tour geht??
Schorsch: Naja, das Pudelding hat den Vorteil, dass man mit immer wieder neuen Künstlern zusammenkommt. Denn auf Tour sitzt du ja jeden Tag mit den selben Vögeln im Bus und stehst mit ihnen auf der Bühne, und da war es ganz angenehm, stattdessen etwas mit lokalen Künstlern zu machen. Das habe ich ziemlich genossen. Ansonsten war das natürlich ein Unterhaltungsding.
Wie befruchtet das die Zitronen? Inspirationen durch neue Kontakte, beim Auflegen?
Schorsch: Also, keiner von uns legt da auf. Mense hat mal mit Egoexpress auf einer Veranstaltung gespielt; ich glaube, das ist gar nicht genau nachzuprüfen, wie unsere verschiedenen Aktivitäten in die Zitronen einfließen. Ich habe in dem Rahmen die Sylvesterboy-Performance gemacht, aus der eine der Coverversionen auf dem Zitronen-Album stammt. Aber das gab es ja schon vor dem Pudel.
Ted: In gewisser Weise vermarktet der Pudel die Szene, die in diesem Dunstkreis entstanden ist, und er ist der etablierte Ort, aus dem sich dieser Zirkel gespeist hat. Ich bin damit gar nicht so d‘accord, weil das zu einer Aufwertung führt, die ich nicht legitim finde. Wobei man zwischen dem Markenzeichen Pudel, dem Hipness-Faktor und dem Programm unterscheiden muss, das zum Teil immer noch gut ist. Das ist alles so postmodern verwoben, dass es kaum noch aus einander zu klauben ist. Bei so integren Läden wie der Flora oder dem Exzess hier in Frankfurt ist das natürlich anders. Da konnte man vielleicht sagen, das sind lausige Hippies, die keinen Style haben; andererseits ermöglichen sie durch ihren radikalen Ansatz das Abbild einer anderen Vorstellung davon, wie Zusammenleben stattfinden kann. Ohne dass der Marktwert die Hauptrolle spielt.
Schorsch: Dass der Marktwert beim Pudel die Hauptrolle spielt, stimmt nun aber weiß Gott auch nicht! Im Zusammenspiel ergibt sich von allein, dass an diesem Ort mit seiner wirklich weichen Politik jeder kommen und auflegen und sein Ding machen kann. Er ist einfach ein Raum, den man nutzen kann.
Ted: Ja, aber da vermischen sich verschiedene Dimensionen. Man kann sagen, es ist ein Undergroundladen, in dem interessante Sachen laufen und ungewöhnliche Leute verkehren. Man kann wiederum sagen, damit bietet er den ganzen Werbefirmen in Hamburg, die dort ein- und ausgehen, eine Anregung als Hipness-Markenzeichen, und man kann auch sagen, es ist eine Kneipe wie jede andere mit einem Chef, der Bier bestellt und Leute einstellt und eine Idee von Kneipe verwirklicht, die ihm genehm ist. Und auch schon Leute rausgeekelt hat, die eine andere Vorstellung von Kneipemachen hatten. Das sind drei Ebenen, und man kann nun nicht sagen, der Pudel ist scheiße oder gut; aber ich kann mich jedenfalls nicht damit identifizieren.
Schorsch: Bestimmte Leute sehen das sicher so, wie du beschreibst, aber es gibt da auch eine Party-Ebene, auf der sich viele bewegen. Und die hinterfragen gar nicht so weit.
Ted: Nein, klar, wenn ich in eine Techno-Disco gehe, frage ich auch nicht zuerst, welche Politik der Chef intern mit seinen Angestellten fährt und wie devot er sie aussucht. Ich mag nur nicht, wenn über den Pudel geredet wird, als ob er intern organisatorisch links geführt würde. Natürlich wird dort linke Politik unterstützt, aber es ist ein ganz normaler Laden.
Mense: Das eigentliche „Pudelding“ findet doch viel mehr außerhalb von Hamburg statt – wenn die Pudelveranstaltungen mit verschiedenen Leuten über die Bühne gehen. In Hamburg selbst passiert da gar nicht mehr viel.
Ted: Aber dann liest du einen Spexartikel, und da benutzen sie zur Beschreibung von etwas den Begriff „Pudel“, als wäre es eine Marke.
Schorsch: Das finde ich genauso ärgerlich wie Hamburger Schule.
Ihr habt für euch die Unkündbarkeit ausgerufen; wie war das noch gleich? Das klingt unermüdlich kämpferisch, aber ich glaube, es bezog sich darauf, dass die Goldenen Zitronen den Kollektivgedanken hochhalten, oder?
Schorsch: Die Idee war, man darf nicht kündigen, so halten wir das seit der Platte davor.
Ted: Es wird niemand rausgeworfen.
Und es gab keinen Augenblick, wo ihr gesagt hättet, ach nö, ist gut jetzt, wir ziehen uns zurück, ob jetzt aufs Altenteil oder in andere Projekte?
Ted: Das erzählen wir dir doch jetzt nicht…
Schorsch: Ach, kann man doch schon. Es gab zumindest nie einen Augenblick, wo wir alle zusammen gesessen und gesagt hätten, jetzt geht es nicht mehr.
Enno: Intern wird aber schon einiges in Frage gestellt, auch auf krasse Weise. Irgendwie geht es zwar immer weiter, aber darüber wird auch knallhart gestritten. Dann rennt man halt weg, weil man sauer ist oder keine Argumente mehr hat, aber am Ende muss man sich dem doch wieder stellen.
Schorsch: Wir sind ja auch nicht ganze Zeit Goldene Zitronen; in Wirklichkeit nimmt die Band gar nicht so viel Zeit in Anspruch. Diese Band ist einfach Teil von unserem Leben und eine wunderbare Möglichkeit sich auszudrücken. Eigentlich die beste. Ich denke schon, dass wir mit den Zitronen noch am ehesten unsere Inhalte rüberbringen können.
Was ich noch unbedingt loswerden muss, ist die Frage nach der beeindruckenden Modestrecke, die Schorsch und Rocko Schamoni im Intro bestritten haben: In Damenbadeanzügen, mit Tennisröckchen und auf dem Golfplatz in Girlie-Caddy-Schick. Mit Zigarren und Bierseideln als Accessoires. Habt ihr die Klamotten wenigstens als Honorar behalten dürfen?
Schorsch: Honorar? Keins, das war alles geliehenes Zeug. Als Intro angefragt hat, habe ich erst abgelehnt, aber dann haben wir uns überlegt, das mit den Frauenklamotten aufzuziehen, und ich bin nach wie vor total froh über diese Bilder. Die Frauensachen drehen das Modeding so ein bisschen um. Gut, sie stellen es nicht wirklich in Frage, aber als Produkt passt das halt nicht: Ich gehe jetzt nicht in den Laden und kaufe mir einen Rock, weil Rocko so einen getragen hat. An einem unflexiblen Ort wie dem Intro kam das gerade recht; in einer Zeitung wie Max hätte es hingegen überhaupt nicht funktioniert.
Mense: Damals fing das mit den ganzen Modestrecken auch erst an; die Spex hat dann ja auch welche reingenommen.
Ted: Ich finde am köstlichsten, welche Typen die Ideen zu diesen Modestrecken haben. Graue Indiemenschen mit Saufnasen.
Schorsch: Nicht gerade die ästhetischen Vorreiter.
Zuletzt… was zur Hölle ist die Topforgel, die Mense und Ted laut Booklet spielen??
Schorsch: Endlich fragt mal jemand! Ted hat die erfunden.
Ted: Das sind verschiedene Töpfe und Deckel und Salatschüsseln…
Mit verschiedenen Tonalitäten, klar. Deren Klang und die Zahnschmerz-Botschaften der Goldenen Zitronen sind zu hören auf „Schafott zum Fahrstuhl“. Enjoy.

Allgemein23.08.2007 12:25h

Allgemein23.08.2007 12:24h

Allgemein23.08.2007 12:11h

Allgemein23.08.2007 12:11h